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Forderungskatalog des Studierendenrats der Philologisch-Historischen Fakultät der Universität Augsburg an Fakultätsdekanat, Universitätsleitung und Landesregierung


Durch die überstürzte Umsetzung der Bologna-Reform und die gleichzeitige Unterfinanzierung des Hochschulsektors sind in der Praxis an der Universität strukturelle Defizite entstanden. Die Studierendenräte der Philologisch-Historischen Fakultät der Legislaturperioden 2013/14 sowie 2014/15 fordern deswegen die im Folgenden genannten Punkte. Die Ordnungslogik ergibt sich nach dem Adressat der Forderungen.


Forderungen an das Fakultätsdekanat und die Universitätsleitung:


Wir fordern eine Optimierung der virtuellen Plattform des Prüfungsamts STUDIS

Auch wenn unter Vizepräsident Prof. Dr. Reif durch die Einrichtung der Lenkungsgruppe digicampus/STUDIS bereits wichtige Schritte in die Wege geleitet wurden, sehen sich Nutzerinnen und Nutzer nach wie vor mit einem unübersichtlichen, zu starr strukturierten und mangelhaft finanzierten System konfrontiert. Im modularisierten Studium bauen Module aufeinander auf; das verspätete Eintragen von Noten kann demzufolge dazu führen, dass Studierende Folgeveranstaltungen nicht oder nur nach erheblichem organisatorischen Mehraufwand belegen können. Diese Problematik setzt sich bis zum Ausstellen von Bachelor- und Masterzeugnissen, die dringend für Bewerbungen benötigt werden, fort.
Probleme im Einzelfall können oft nicht gelöst werden, weil Dozierende die Leistungen der Studierenden nur in das System einpflegen können, nachdem die Leistungen des gesamten Kurses vorliegen. Hier besteht dringender Änderungsbedarf. Dieser Problematik könnte vorweggegriffen werden, indem die Eintragung von Leistungen der einzelnen Studierenden technisch ermöglicht wird. Hierbei könnte eine Auslagerung an die Lehrstühle zielführend und sinnvoll sein.

Außerdem sollten für die Anfertigung von Seminararbeiten mindestens die gesamte vorlesungsfreie Zeit zur Verfügung stehen, sofern die jeweils geltende Prüfungsordnung keine andere rechtliche Vorgabe enthält. Bislang gibt durch die oben geschilderte Abgabemodalität das STUDIS System die Abgabefrist vor. Dies betrachten wir als unzumutbar.

Aus datenschutzrechtlicher Sicht ist außerdem die Nichtexistent einer zentralen Logout-Funktion in virtuellen Systemen der Universität nicht haltbar.

Wir fordern eine Verbesserung der Angebotspalette des Studentenwerks

Die Mensa der Universität Augsburg ist "Küche des Jahres" 2013. Trotz dieser Auszeichnung sieht die Studierendenschaft weiterhin Defizite im Angebot. Es fehlen eine abwechslungsreiche, warme Abendmahlzeit und ein breiteres, klar gekennzeichnetes Angebot allergenfreier Gerichte. Außerdem wäre die Einführung bio-zertifizierter Gerichte, alternative Angebote wie Soja- und laktosefreie Milch sowie die Installation einer Trinkwassersäule in Mensa und Cafeteria wünschenswert.

Die Preise sind in den letzten Jahren mehrfach schleichend angehoben worden, beispielsweise durch eine separate Bezahlung von Hauptgericht und Beilage. Auch im Bereich der Getränke ist mit der Einführung von Markenprodukten eine Preissteigerung zu verzeichnen gewesen. Obwohl eine moderate Zunahme der Preise durchaus verständlich ist, besteht hier eindeutig Korrekturbedarf. Zudem fordern wir eine Anpassung der Höchstwohndauer in Studierendenwohnheimen an die Realität des modularisierten Studiums.

Wir fordern eine studierendenfreundlichere Politik bezüglich des Semestertickets

Innerhalb der letzten zwei Jahre wurde der Preis für das studentische Semesterticket um 7,4% auf 58,95€ erhöht. Der Umfang dieser Preiserhöhung ist deutlich zu hoch. Wir fordern eine studierendenfreundlichere und transparentere Preispolitik.

Wir fordern eine deutliche Reduktion der Druck- und Scankosten

Zu Beginn des Wintersemester 2013/14 wurde aufgrund der Anschaffung neuer Druck- und Scangeräte der Preis pro Kopie von rund 4,5 auf 7 Cent erhöht. Dies entspricht einer Preissteigerung von rund 55%. Außerdem wurde eine Gebühr von 5 Cent pro Scan eingeführt. Dies stellt eine nicht notwendige zusätzliche finanzielle Belastung der Studierendenschaft dar. Obwohl die Studierendenvertretungen vorher mehrfach auf dieses Risiko hingewiesen hatten, lies sich die Universitätsleitung diese Preise von der Firma Canon diktieren. Die neuen Geräte verfügen dabei über kaum eine der vorher angepriesenen neuen Einstellungsmöglichkeiten: beispielsweise ist Farbdruck nach wie vor nicht verfügbar, es ist außerdem weiterhin nicht möglich, auf umweltfreundliches Papier zu drucken.

Es ist Aufgabe des Freistaats Bayern, die technische Infrastruktur an Universitäten bereitzustellen. Die Beteiligung der Studierenden sollte sich dabei auf die tatsächlich anfallenden Kosten pro Nutzung beschränken. Die Kosten, die beim Scannen anfallen, sind äußerst gering. In Anbetracht der Umweltfreundlichkeit digitaler Kopien muss dieser Dienst gänzlich kostenlos angeboten werden.

Wir fordern eine deutliche Reduktion der externen Werbung an der Universität Augsburg

Trotz vielfacher Proteste mehrerer Studierendenvertretungen, diesbezüglichen Beschlüssen des studentischen Konvents und mehrfacher Bemühungen des Allgemeinen Studierendenausschusses hat die Häufigkeit und Dichte an externer Werbung auf dem Campus in den letzten Semestern erheblich zugenommen. Vielerorts können sich Studierende der immer aufdringlicheren Werbung kaum entziehen, beispielsweis an zentralen und stark frequentierten Plätzen, wie Mensa und Cafeteria, Hörsaalzentrum oder an der Straßenbahnhaltestelle "Universität".

Im gleichen Atemzug wurde die Fläche, die Studierenden und Dozierenden für die Bewerbung kultureller und hochschulpolitischer Veranstaltungen zur Verfügung steht, deutlich reduziert. Hier sehen wir Korrekturbedarf: Das Ausmaß der externen Werbung sollte maximal das der studentischen Werbung umfassen. Wünschenswert wäre eine Verbannung externer Werbung vom Campus.

Wir fordern die Einführung eines Teilzeitstudiums an der Universität Augsburg

Das modularisierte Vollzeitstudium bringt einen immensen Arbeitsaufwand mit sich. Dieser ist zum Beispiel für Studierende mit Kind, pflegebedürftigen Angehörigen oder schwerwiegenden Beeinträchtigungen zeitlich nicht zu leisten und benachteiligt diese deutlich. Viele Studierende überschreiten durch diese Problematik die Regelstudienzeit, was beispielsweise im Zusammenhang mit BAföG schwerwiegende Folgen habe kann. Die Möglichkeit, ein Teilzeitstudium zu beantragen, würde diese Problematiken lösen.

Auch für Studierende, die neben ihrem Studium in Voll- oder Teilzeit arbeiten, sei es aus finanziellem Zwang oder zur Sammlung notwendiger Praxiserfahrung, würde die Einführung eines Teilzeitstudiums einer signifikanten Entlastung gleichkommen.

Als Orientierung für eine Teilzeitstudienordnung an der Universität Augsburg könnte das Bamberger-Modell dienen, das seit dem 24. Juni 2011 an der Universität Bamberg in Kraft ist. Vor- und Nachteile dieses Modells, das somit auf eine dreijährige Praxiserprobung zurückblicken kann, können bei der Gestaltung einer Teilzeitstudienordnung an der Universität Augsburg berücksichtigt werden.

Wir fordern die Einführung einer Zivil- und einer Transparenzklausel

Die Frage nach einer verantwortungsvoll gestalteten Forschung und Lehre ist auch an der Universität Augsburg von großer Bedeutung. Nicht nur die naturwissenschaftlich geprägten Disziplinen, auch die Geisteswissenschaften sind potentiell ein relevanter Bereich für wehrtechnische oder militärische Projekte. Derartige Projekte sind mit einer Ethik der Wissenschaft am Standort der Universität in der Friedensstadt Augsburg nicht in Einklang zu bringen.
Im Sinne einer friedlichen und freien Wissenschaft fordert der Studierendenrat deshalb die Implementierung einer entsprechenden Regelung - einer sogenannten Zivilklausel - in das Leitbild der Philologisch-Historischen Fakultät sowie in die Grundordnung der Universität Augsburg. Eine tatsächliche Wirksamkeit einer solchen Regelung ist nur dann gewährleistet, wenn sie mit der Einführung einer sogenannten Transparenzklausel - der Verpflichtung, Drittmittelprojekte nach Finanzvolumen, Gegenstand und Zielsetzung offenzulegen - einhergeht. Aufgrund der verstärkten Tendenz, Universitäten als wirtschaftliche Entitäten zu betrachten und zu behandeln, ist es wichtig in diesem Zusammenhang festzuhalten, dass eine Zivil- sowie eine Transparenzklausel Projekte mit Dual-Use-Charakter nicht ausschließen und der Universität somit in solchen Fällen keine finanziellen Einbußen entstehen können.



Forderungen an die Bayerische Landesregierung:


Wir fordern die Einführung einer verfassten Studierendenschaft an den Bayerischen Universitäten

Bayern ist das einzige deutsche Bundesland, in dem Studierende nicht Mitglieder einer Verfassten Studierendenschaft sein können.

Im Moment muss die Universität den finanziellen Verwaltungsaufwand für studentische Veranstaltungen allein tragen; mit einer Verfassten Studierendenschaft würde dieser Aufwand an die Studierendenvertretung übergehen. Die Abläufe innerhalb der Studierendenvertretung würden gleichzeitig vereinfacht. Außerdem würden für Mitglieder einer Studierendenschaft deutlich mehr versicherungstechnische und rechtliche Sicherheiten gewährleistet, was vor allem in Haftungsfragen eine Entlastung der Universität darstellt.

Die momentane Studierendenvertretung sieht sich seit der Bologna-Reform mit dem Problem einer starken Fluktuation ihrer Mitglieder konfrontiert; eine Verfasste Studierendenschaft könnte durch die Schaffung dauerhaft besetzter Stellen zu einem deutlich erhöhten Maß an Kontinuität und damit Effektivität führen. Das Interesse der Studierendenschaft an der Hochschulpolitik würde durch die direkte Einbindung aller Studierenden nachhaltig gefördert. Eine produktivere Zusammenarbeit auf allen Ebenen und ein vielfältigeres studentisches Leben wären die Folge.